Vergabe von Straßennamen

Veröffentlicht am 18.12.2018 in Gemeinderatsfraktion

Andreas Koch

Beitrag von Andreas Koch in der Sitzung des Gemeinderats am 17. Dezember 2018

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, einem bekannten Dichterwort zufolge sind Namen angeblich Schall und Rauch, sprich flüchtig, nichtig und gering. Ob Johann Wolfgang von Goethe das aber auch so gesagt hätte, wenn er seinen „Faust“ in einer Maschinenfabrik-Esslingen-Straße oder „„An der Maschinenfabrik“ hätte schreiben müssen? Anders als noch im letzten Verwaltungsausschuss – übrigens in diesem Fall nur ein vorberatendes Gremium – votiert die SPD jedenfalls in Sachen Umbenennung der Südtangente n i c h t für eine Maschinenfabrik-Esslingen-Straße. Der Grund: Eine aktuelle Befragung der gesamten Fraktion hat ergeben, dass diese Bezeichnung zum einen als für zu sperrig, zum andern und vor allem wegen ihrer reinen Industriebezogenheit als für ein Wohngebiet ungeeignet betrachtet wird. In letzterer Auffassung sehen wir uns durch das öffentliche Echo, aber nicht zuletzt auch durch das Schreiben eines Anwohners bestätigt: Er bittet inständig darum, auf diesen – Zitat – „wirklich grauenvollen Namen“ zu verzichten. Nicht ausschlaggebend für unsere Ablehnung einer Maschinenfabrik-Esslingen-Straße sind dagegen die durchaus berechtigten Verweise auf eine unbestreitbare Beteiligung der Maschinenfabrik an Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit. Hier schließen wir uns im Großen und Ganzen der Argumentation von Stadtarchivar Joachim Halbekann an, wonach – nochmals Zitat – „die Geschichte eines Unternehmens etwas völlig anderes ist als die Haltung einer natürlichen Person oder deren Verstrickung in Unrecht”.

Als gute Alternative sehen wir eine Benennung der Südtangente nach der gebürtigen Esslingerin Eugenie von Soden. Ihr Name – das will ich gar nicht verhehlen –, hat ja auch bereits in anderen Fraktionen und in besagtem Verwaltungsausschuss eine Rolle gespielt. Für die SPD ist er vom Kollegen Michael Wechsler „entdeckt“ und der Verwaltung noch vor dem VA bekanntgegeben worden. Auf das „Erstgeburtsrecht“ für diesen Namen kommt es aber nicht wirklich an. Für von Soden sprechen der lokale Bezug sowie ihr Engagement für Frauenrechte, insbesondere das Frauenwahlrecht. Außerdem würde auf diese Weise eine weitere unserer Straßen einen Frauennamen tragen. Vor diesem Hintergrund stellt die SPD den folgenden Änderungs- oder Alternativantrag: Die Südtangente wird in Eugenie-von-Soden-Straße umbenannt. Wir würden uns freuen, wenn dieser Antrag eine Mehrheit fände, und das nicht zur Profilierung der SPD, sondern um der Sache willen und als guter Ausweg aus dem Dilemma einer ziemlich verfahrenen Umbenennungsgeschichte der Südtangente. Nachdenken und gegebenenfalls auch Umdenken sind schließlich keine Schande – vor allem nicht hier. Denn nicht zuletzt Straßennamen sind halt doch mehr als Schall und Rauch. Außerdem klingt eine Eugenie-von-Soden-Straße trotz eines Bindestrichs mehr auf jeden Fall besser, um nicht zu sagen eleganter als die ruppige Maschinenfabrik-Esslingen-Straße.

Es gilt das gesprochene Wort.