Stellungnahme der SPD-Fraktion zur PCB-Belastung an der Zollberg-Realschule im Bildungsausschuss am 10. April

Veröffentlicht am 11.04.2019 in Kommunalpolitik

Stadtrat Klaus Hummel

Vielen Dank und die ausdrückliche Anerkennung der SPD dafür, dass Sie diese ganz schwierige und gefährliche Situation an der Zollberg-Realschule (ZRS) und vermutlich auch anderen Gebäuden, rasch und transparent öffentlich aufgreifen, Herr Erster Bürgermeister Wallbrecht. Auch, dass Sie dazu stehen, dass Kommunikation besser werden muss! Machen Sie dies dringend transparent weiter so. Alles andere schürt Ängste, die man durchaus auch verstehen kann, bei Eltern, bei Lehrpersonen, vor allem z. B. solchen, die schwanger sind, die stillen und jenen, die dem Jahrzehntelang schon ausgesetzt sind.

Es geht um die Gesundheit aller Menschen in diesem und möglichen anderen öffentlichen Gebäuden.

Mit PCB ist einfach nicht zu spaßen und ich weiß, das tut auch niemand!

Vor allem PCB-118 ist hoch giftig. Es bauen sich die Gifte im Körper nie ab!

Und vor allem sind kleine Menschen, also Kinder, zunächst lange Jahre unbemerkt davon betroffen.

Wir gehen nun also bestimmt davon aus, dass nach Ostern an der ZRS kein Unterricht und kein Arbeiten dort mehr möglich ist.

Wir wollen ausdrücklich der Schulgemeinschaft der ZRS für das besonnene Vorgehen danken, für Transparenz und Information. Und wir wissen, dass dort so etwas wie die Quadratur des Kreises erwartet wird.

Es gibt keinen ungünstigeren Zeitpunkt: In 4 Wochen finden die landeseinheitlichen Abschlussprüfungen der 10er statt. Diese finden einfach statt, sie setzen eine funktionierende Anbindung an die digitalen Landesnetze in der Verwaltung voraus.

Erste Folgen an der ZRS sind ja wohl, dass durch das ständige Schocklüften viele Menschen dort bereits erkältet sind und mit Winterjacken in den Räumen sitzen, dass eine schwangere Kollegin ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen bekam.

Die SPD bittet und erwartet in dieser kritischen Situation:

Messen Sie das ZRS-Gelände ganz durch, um gegebenenfalls zu entscheiden, ob kernsaniert oder gar neu gebaut werden muss.

Lassen Sie neben der ZRS ganz rasch die in Frage kommenden Interimsgebäude (Adalbert-Stifter-Schule u. Lerchenäckerschule), ja selbst eine Gefahr fallen mir zunächst ein) messen. Sobald machbar, das haben Sie zugesagt, sind alle baugleichen, zeitähnlichen anderen Schulgebäude, ja auch die öffentlichen Gebäude zu untersuchen.

Und was vor allem die besonders gefährdeten, kleinen Menschen angeht, ist an unseren KiTas die Gewissheit auszumessen.

Ich möchte noch an etwas anderes denken: als Eltern / Lehrperson würde ich wissen wollen, wie ich mit meiner Angst umgehe, was möglicherweise in mir schlummert. Dazu braucht es Blutmessungen, für die es kaum eine Firma in Deutschland gibt und die nicht so einfach zu machen sind. 1996 hat das Gymnasium in Bad Urach in derselben Situation dies durchführen lassen. Ich habe den Bericht gründlich gelesen und sage Ihnen: die Ergebnisse haben mich sehr berührt, ja schockiert.

Die in Frage kommenden Schulgebäuden, stehen ja nicht einfach leer. Sondern es stehen und lange nicht ausreichend - Schulräume frei. Dies setzt zuerst einmal die Verlegung einer ganzen Schule voraus (Adalbert-Stifter-Schule?). Vor allem kann ich mir kein Schulgebäude vorstellen, dass die entsprechenden Fachräume hat, die das Profil des Sportzuges aufnehmen kann (in der ASS geht das schon mal gar nicht).

Und mir fällt auch ein, unkundig wie ich dabei bin, ist nicht auch das Schulmobiliar, die Tische und Stühle verseucht? Dies würde ja bedeuten, dass es nicht umgezogen werden kann – für über 600 Schüler!

Ende dieser Woche beginnen die Osterferien. Was räumen Lehrer und Schüler jetzt bereits aus und nehmen es mit? Ist es überhaupt denkbar, nach 14 Tagen geordneten Unterricht woanders durchzuführen? Die dortigen Klassen können ja nicht so rasch versetzt werden.

Nun wird ja ausgerechnet zeitgleich die Zollbergstraße geschlossen und die Buslinien 119 / 120 werden über die Aufstiegsstraße in die Stadt geführt. Der ÖPNV kann nach derzeitigen Plänen die über 60 Schüler/innen aus den Fildern nicht an einem möglichen Schulstandort in der Pliensauvorstadt abliefern. Überhaupt kann es sein, dass bis zum Ende des Schuljahres eigene Transportsysteme angeboten werden müssen, nur für die Schulgemeinschaft der ZRS im Exil.

Abschließend möchte ich für uns als SPD-Fraktion noch ganz deutlich zur Unterstützung unserer Verwaltung sagen:

Die betroffenen Ämter und Eigenbetriebe in einer extrem schwierigen Situation:

Das Amt für Bildung zieht die nächsten Tage um.

Die Städtische Gebäude Esslingen (SGE) hat 4,5 Architektenstellen nicht besetzt.

Scheuen Sie sich nicht, dem Gemeinderat zu sagen, was es kurzfristig braucht, um dies alles zur Zufriedenheit zu stemmen, personell, finanziell. Dann sind wir gefordert, dies zur Verfügung zu stellen und auch unseren Teil zu leisten!

Vielen Dank

Klaus Hummel
Bildungspolitischer Sprecher und Ansprechperson für Schulfragen der SPD-Gemeinderatsfraktion