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Empfehlungen des AK Schulentwicklung für die Neugestaltung der Esslinger Schullandschaft

Gemeinderatsfraktion


Andreas Koch

Redebeitrag von Andreas Koch in der Gemeinderatzssitzung am 25. Juli 2016

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren,

der vom Gemeinderat zu fassende Grundsatzbeschluss zur Schulentwicklung ist von großer Tragweite: Er gestaltet die Esslinger Schullandschaft neu und legt fest, mit welchen Strukturen unsere Stadt in Sachen Bildung in die Zukunft geht. Ein solcher Beschluss muss gut vorbereitet sein – und er ist es auch. Deshalb beginnt dieser Redebeitrag mit einem Dank an die, welche an besagter Vorbereitung beteiligt waren, allen voran die Mitglieder des Arbeitskreises Schulentwicklung. Ob externe oder Fachleute der Verwaltung, ob Schul- oder Elternvertreter, ob Stadträtinnen oder Stadträte: Sie alle haben in einem intensiven Prozess dazu beigetragen, dass der Gemeinderat heute auf einer quantitativ wie qualitativ guten Grundlage seine Entscheidung zu treffen vermag. Dafür ein herzliches Dankeschön! Wobei sich die Qualität der Vorbereitung für die SPD auch daran zeigt, dass wir den Empfehlungen des Arbeitskreises in großen Teilen folgen können: Diejenigen Beschlusspunkte, welche die Pliensauvorstadt, Oberesslingen, Hohenkreuz sowie die Gymnasien und Werkrealschulen betreffen, tragen wir vollumfänglich mit. Lediglich im Blick auf die Innenstadt vertreten wir eine andere Auffassung und kleiden diese in einen Änderungsantrag zu Beschlussziffer 1.2. der Vorlage. Er lautet:

„Weiterentwicklung der Bildungsangebote Innenstadt unter Beibehaltung der beiden bestehenden Gemeinschaftsschulen mit je drei Zügen. Die dreizügige Ganztagsgrundschule bleibt Teil der Gemeinschaftsschule Katharinenschule.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, der Streit darüber, ob die Empfehlungen des Arbeitskreises Schulentwicklung einstimmig oder lediglich einmütig beschlossen worden sind, hilft nicht weiter und braucht deshalb nicht fortgeführt zu werden. Sich Gedanken über die Funktion eines solchen Arbeits-kreises zu machen, ist dagegen lohnenswert. Dabei sage ich für die SPD klar und deutlich: Weder treten wir unsere Entscheidungsbefugnis an eine andere Instanz ab noch verzichten wir zugunsten eines bis zum Schluss nichtöffentlich tagenden Gremiums auf unseren Politikstil des Hörens und der Beteiligung. Im Gegenteil: Nach der Arbeit eines Arbeitskreises, die zur Vorbereitung einer Entscheidung unverzichtbar sein kann und hier tatsächlich unverzichtbar war, ist zumindest unserer Auffassung nach vor der Arbeit der Fraktionen. Diese hat die SPD auch im vorliegenden Fall auf die ihr eigene Art und Weise geleistet: Wir haben Gespräche geführt, Schreiben ausgewertet und eine eigene Anhörung aller betroffenen Schulen inklusive Eltern veranstaltet. Das Ergebnis ist besagter Änderungsantrag. Ja, mit ihm weichen wir in der Tat an einem Punkt von den Empfehlungen des AK Schulentwicklung ab! Aber wir tun es guten Gewissens, aus Überzeugung und als Resultat eines harten Ringens um den richtigen Weg, das uns kein Arbeitskreis je abnehmen kann und je abnehmen darf.

Warum aber will die SPD für die Innenstadt zwei drei- statt einer sechszügigen Gemeinschaftsschule? Um es vorweg und grundsätzlich zu sagen: nicht weil die vom Arbeitskreis empfohlene Lösung an sich vom Übel wäre. Im Gegenteil: Auch für die Verschmelzung von Katharinenschule und Schule am Schillerpark gibt es gute Gründe. Sie sind genannt worden. Trotzdem sehen wir bei der geplanten Fusion eine große Gefahr, und vor der dürfen vor allem Sozialdemokraten nicht die Augen verschließen: Es könnte bei dieser Lösung eine für die Innenstadt typische Schülerklientel ganz oder teilweise auf der Strecke bleiben. Anders und positiv ausgedrückt: Mit ihrem ureigenen Profil und einem in dessen Umsetzung erfahrenen Kollegium garantiert die Katharinenschule auch als Gemeinschaftsschule dafür, dass aus Schwächen Stärken werden. Und deshalb wollen wir diese Schule nicht ohne wirkliche Not in einen Fusionsprozess mit ungewissem Ausgang schicken.

Lassen Sie mich noch ein paar weitere Gründe für unsere Überzeugung, dass zwei Gemeinschaftsschulen in der Innenstadt besser sind als eine, nennen, und das stichwortartig! Eine überschaubare Schülerzahl ermöglicht individuelles Fördern und Fordern – das Charakteristikum einer Gemeinschaftsschule. Alle vorhandenen Kompetenzen der Kollegien werden genauso wie die Profile der beiden Schulen am jeweiligen Standort wieterentwickelt. Keine schulgrößenbedingte Anonymität, sondern gelebte Schulgemeinschaft. Wahlmöglichkeit zwischen zwei Ganztagsmodellen: drei Tage am Schillerpark, vier Tage an der Katharinenschule. Und besonders wichtig: Durch den bleibenden Verbund der Katharinenschule mit der Grundschule wird in dieser Einrichtung, falls gewollt, gemeinsames Lernen von Klasse 1 bis 10 ermöglicht ohne unbedingten Schulwechsel nach Klasse 4. Was aber ist mit dem für eine Gemeinschaftsschule relevanten Begabungsmix? Dieser scheint tatsächlich ein schlagendes, auch Sozialdemokraten zum Nachdenken bringendes Argument für die sechszügige Innenstadt-Gemeinschaftsschule zu sein. Aber ist es das auch auf Dauer und wiegt es damit alle Nachteile auf? Wir sind der festen Überzeugung, dass sich besagter Begabungsmix an beiden Schulen von Jahr zu Jahr weiter angleichen und die Vergangenheit als Realschule bzw. Werkrealschule zunehmend in den Hintergrund rücken wird. Erfahrungen von Starterschulen, die vor vier Jahren meist aus ehemaligen Werkrealschulen hervorgegangen sind, zeigen dies.

Übrigens ist das Votum der SPD für einen Fortbestand der Katharinenschule natürlich kein Votum gegen die Schule am Schillerpark. Auch hier im Gegenteil: Wir anerkennen deren gute Arbeit und sind von ihrer Popularität beeindruckt. Dafür, dass sie in einem aktuellen Interview als „Flaggschiff“ bezeichnet wird, das man nicht kappen dürfe, kann sie selber ja nichts. Es ist eine Etikettierung der Verwaltung, über die wir freilich alles andere als glücklich sind. Jedenfalls gibt es für die SPD keine Schule, die das Kommando hat, und schon gar keine Schulen erster und zweiter Klasse – ihr ist nicht nur das Flaggschiff, sondern die ganze Flotte wichtig. Und diese Flotte wird sich gerade in der Innenstadt, wie es in der Vorlage richtigerweise heißt, aber nicht nur in ihr zusammen, sprich in enger Kooperation weiterentwickeln müssen. Denn unabhängig von Schulart, Organisationsmodell und Profil gilt: Nur gemeinsam sind wir stark.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, wir befinden heute über die Neugestaltung der Esslinger Schullandschaft. Von ihr sind auch andere Stadtteile als die Innenstadt betroffen, und zwar folgende:

Pliensauvorstadt: Die Neugründung einer dreizügigen Sekundarschule wird von der SPD begrüßt. Mit den Konzeptions- und Gründungsarbeiten sollte zeitnah begonnen werden. Für die auslaufende Adalbert-Stifter-Schule braucht es wie für alle anderen noch existierenden Werkrealschulklassen eine faire Antwort. Auf vor der Prüfung stehende Schülerinnen und Schüler ist besonders Rücksicht zu nehmen.

Oberesslingen: Die Realschule dort steht vor enormen Herausforderungen – standort- und wohl auch größenmäßig. Was die Situation von der in der Innenstadt unterscheidet: Die Alternative zwei kleinerer Schulen am jeweils eigenen Standort gibt es nicht. Das macht eine große Schule an zwei nicht in unmittelbarerer Nachbarschaft befindlichen Standorten im Wortsinn alternativlos – Aufgabe und Chance zugleich. Chance insofern, als dass die Realschule Oberesslingen ihr Profil auf einen weiteren Standort ausdehnen kann, ohne ein anderes Konzept integrieren zu müssen. Die SPD sichert zweierlei zu: Wir werden den sich abzeichnenden Schülerzuwachs aufmerksam beobachten. Und: Wir tragen unser Teil dazu bei, dass der Gemeinderat die Schule organisatorisch und finanziell angemessen unterstützt.

Hohenkreuz: Ich verweise auf den nächsten Tagesordnungspunkt. Hier nur soviel, dass sich die Verwaltung in der entsprechenden Vorlage überzeugt zeigt – ich zitiere –, „dass eine Gemeinschaftsschule der Jahrgänge 1 bis 10 ein durchgängiges pädagogisches Konzept benötigt, auch um eine stringente Ganztagspädagogik umzusetzen“, und dass sie demzufolge auch eine entsprechende räumliche Planung verfolgt. Genau das aber ist der SPD auch für die Innenstadt wichtig.

Zollberg, obwohl nicht zur Beschlussfassung anstehend: Die Zollberg-Realschule hat begründet Raumprobleme angemeldet. Für die Wanderklassen, die es bis zur Erreichung der angestrebten Dreizügigkeit gibt, sind umgehend vertretbare Lösungen zu erarbeiten.

Und stadtteilübergreifend die Gymnasien: Wir sind gespannt, was die Pilotprojekte „Erschließung und Digitalisierung“ am Schelztor-Gymnasium und „Ganztag“ am Georgii-Gymnasium für die Übertragung auf andere Schulen bringen.

Zum Schluss: Die SPD steht zum aufgezeigten Kostenrahmen, der Teil der Beschlussfassung ist. Dass es bei Bekenntnissen nicht bleibt, darauf haben die Schulen einen Anspruch. Gute Bildungschancen sind das Geld wert.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, ich wiederhole den SPD-Änderungsantrag zu 1.2.: „Weiterentwicklung der Bildungsangebote Innenstadt unter Beibehaltung der beiden bestehenden Gemeinschaftsschulen mit je drei Zügen. Die dreizügige Ganztagsgrundschule bleibt Teil der Gemeinschaftsschule Katharinenschule.“ Gleichzeitig beantragen wir, dass über diesen Punkt gesondert und zuerst und anschließend über die dann noch nicht erledigten Punkte zusammen abgestimmt wird.

Fazit: Die SPD hat die Vorarbeit des AK Schulenwicklung zur Kenntnis und ernst genommen. Danach hat sie gehört, beteiligt, weiter beraten und entschieden. Das Ergebnis kennen Sie. Ich habe es zu begründen ver-sucht. Unserer Meinung nach zeigt es den Weg auf, der für die Neugestaltung der Esslinger Schullandschaft der beste ist. Wir laden dazu ein, ihn gemeinsam mit uns zu beschreiten. Wie auch immer aber die Abstim-mung ausgeht: Nach der Entscheidung ist vor der Umsetzung, und dafür sagen wir unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu.

Es gilt das gesprochene Wort.

 
 

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